PRODUKTMANAGEMENT IN QUARANTÄNE

Aktualisiert: Apr 9

Das ansteckende Virus SARS-CoV-2 hatte und wird auch weiterhin einen großen Einfluss auf unser Leben haben. Eine rasend schnelle und weltweite Ausbreitung hat die Art und Weise, in der wir zusammen leben und arbeiten drastisch geändert. Aufgrund der akuten Ansteckungsgefahr haben viele Unternehmen ihre Produktion reduziert oder bleiben wie Schulen geschlossen. Wer kann, arbeitet aktuell aus dem Homeoffice. Doch welchen Einfluss haben diese Entwicklungen auf das Daily Business von Produktteams und Produktmanagern? Und wie kann man die Zeit im Homeoffice und das Kontaktverbot trotzdem effektiv zur Weiterentwicklung der eigenen Produkte nutzen?


Wie lange bleibt der Ausnahmezustand?

Fest steht, dass aktuell noch kein Ende der Situation in Sicht ist und wir uns mit den neuen Arbeitsbedingungen arrangieren müssen. Das gilt auch für Unternehmen.

Denn eine immer noch steigende Zahl an infizierten Menschen, dramatische Verluste bei Unternehmen sowie rekordhohe Einbrüche an den Aktienmärkten sorgen auch auf Unternehmensseite für Unsicherheiten und vermehrte Vorsicht. In außerordentlichen Board- und Vetriebsmeetings sehen viele Manager sich derzeit mit wichtigen, aber schwer zu beantwortenden Fragen konfrontiert:


  • Wie können die Mitarbeiter nachhaltig geschützt werden?

  • Werden das Kontaktverbot und Reiseeinschränkungen zeitnah gelockert?

  • Wie können bisherige und zukünftige Verluste registriert und reduziert werden?

  • Was kommt nach Corona: Wann werden sich Wirtschaft und Gesellschaft erholen?

  • Wie können wir die Auswirkungen der Krise auf das Unternehmen reduzieren?


Leider verhält es sich so, dass es nur wenige Erleuchtete gibt, die diese Fragen für Unternehmen zufrieden stellend beantworten können. Was wiederum zur Folge hat, dass die Risikobereitschaft großflächig sinkt und man beginnt "Auf Sicht zu fahren".

Sicherheitsmaßnahmen sollen sicherstellen, dass die Mitarbeiter gesund und das Unternehmen bis nach der Krise handlungsfähig bleiben.


Remote Work und Homeoffice zur Eindämmung des Virus

Zu diesen Sicherheitsmaßnahmen gehören unter anderem großflächige Büroräumungen. Ganze Bereiche sind quasi über Nacht auf Remote umgestiegen.

Für die Produktveteranen und heroischen Produktteams unter uns mögen das oft keine neuen Umstände sein. Viele große Produktschmieden, Tech-Unternehmen, Start-Ups und Spin-Offs ermöglichen ihren Mitarbeitern schon seit Langem das flexible Arbeiten von zu Hause aus und predigen von den Vorteilen des ortsunabhängigen Arbeitens.


In vielen Fällen, vor allem in Deutschland, sieht es allerdings etwas anders aus. Remote Work ist hier zwar kein Fremdwort, aber eben auch nicht die Regel. Oft kann man eher von einem Goodie sprechen, auf das Mitarbeiter zurückgreifen können, wenn mal die Anwesenheit zu Hause gefordert ist, weil eine Couch- oder Kühlschranklieferung entgegen genommen werden muss. Leicht überspitzt formuliert, aber you get the Idea: eine Vielzahl an Produktteams war remote und standortübergreifendes Arbeiten zwar gewohnt (mal mehr und mal weniger), allerdings nicht in diesem Ausmaß.



Liquidität bleibt King

Um die Liquidität zu bewahren und in der Krise handlungsfähig zu bleiben, haben viele Unternehmen zum Rotstift gegriffen, einen kritischen Blick auf die aktuellen Projekte geworfen und versucht Einsparpotentiale zu identifizieren, weshalb sich viele Produktteams mit Budgetkürzungen konfrontiert sahen. Eine mehr als unangenehme Entwicklung, denn ohne finanzielle Mittel ist die Umsetzung neuer Features signifikant schwieriger.


Wir können also festhalten: Eine so schnelle und umfassende Umstellung auf Remote-Work in Kombination mit Budgetkürzungen, wie Produktteams sie gerade erlebt haben, birgt neue Herausforderungen und stoppt allzu oft die Produktteams in ihren Entwicklungsbemühungen.


Brace yourselves!

Produktteams, denen diese Problematik bekannt vorkommt, können ihren Fokus verlagern - denn eine Phase mit weniger Budget für Entwicklungsarbeit kann auch ihre Vorteile haben und für andere Aufgabe genutzt werden. Gerne möchte ich euch vier Ideen mitgeben, wie ihr und euer Team, die durch die Corona-Krise unfreiwillig verfügbaren Kapazitäten nutzen könnt:


#1 Retrospektiven: Ausführliche Retrospektiven geben euch und eurem Team die Möglichkeit, die gemeinsame Zusammenarbeit der letzten Monate zu betrachten -inklusive aller Dinge, die gut gelaufen sind, aber auch inklusive möglicher Verbesserungspotentiale.


In manchen Fällen kann es Sinn machen, sich bewusst mehr Zeit für die Retrospektive zu nehmen als sonst. So ist ausreichend Zeit, um ein gemeinsames Verständnis für die identifizierten Herausforderungen im Team zu schaffen und über mögliche Lösungsansätze zu sprechen.


#2 Backlog Refinement: Im Product Backlog sammeln sich stetig neue Ideen und Entwürfe für Features an. Diese liegen in oft in Listenform vor und sind in absteigender Priorität sortiert. Features, die als nächstes, bspw. im nächsten Sprint umgesetzt werden sollen, haben eine hohe Priorität und sollten inhaltlich ausreichend detailliert sein. Features, bei denen sich das Produktteam noch nicht sicher ist ob und wann diese umgesetzt werden sollen haben eine geringere Priorität und sind weniger detailliert.


Im Rahmen eines Refinement-Termins, an dem mindestens der Produktmanager und das Dev-Team teilnehmen sollten, kann das Product Backlog besprochen, aktualisiert und überarbeitet werden. So könnt ihr sicher stellen, dass ihr wieder schnell in die Umsetzung neuer Features kommt, sobald die derzeitige Lage sich wieder normalisiert hat.


#3 Upskilling: Online Academies wie Udacity bieten derzeit vergünstigte Onlinekurse und ""Nanondegree"-Programme an. Registrieren könnt ihr euch über diese Anmeldemaske.

Über sogenannte Schools kann man sich für einen Schwerpunkt entscheiden und sich in Bereichen wie Data Science, Programming, Artificial Intelligence oder Cloud Computing fortbilden.


Natürlich bedarf es keiner Online Academies um sich fortzubilden. Genauso gut kann man sich auch Podcasts anhören, oder endlich die Fachbücher lesen zu denen man bisher nicht gekommen ist. Meine Empfehlungen findet ihr hier.


#4 Fokus Tasks: Unter Fokus Tasks verstehe ich Aufgaben, die nicht zwingend umfangreich sind, aber ein gewisses Maß an Konzentration erfordern. Das Homeoffice und das Kontaktverbot können die perfekten Grundvoraussetzungen sein, um sich ohne Ablenkung diesen Tasks zu widmen. ;)


Eine weitere Möglichkeit ist es die Punkte auf seiner To-Do Liste abzuarbeiten, die bisher liegen geblieben sind.


Am Ende kann keiner sagen, wie lange wir noch zwangsweise aus dem Homeoffice agieren müssen, oder wann sich die Lage beruhigt haben wird. Aber bis wir wieder unserem Daily Business nachkommen können, gibt es Möglichkeiten die Zeit effektiv, oder einfach zum Entschleunigen zu nutzen. Wichtig ist, dass wir versuchen, gesund zu bleiben.


Cheers, Levi

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